Lügendetektortest vor Gericht: Rechtslage in Deutschland

Kaum eine Frage wird uns häufiger gestellt: Zählt das Ergebnis eines Lügendetektortests vor Gericht? Die kurze Antwort lautet: als förmliches Beweismittel im Strafprozess nein — als Entscheidungshilfe für die Beteiligten sehr wohl. Dieser Beitrag ordnet die Rechtslage in Deutschland ein und zeigt, wofür ein Polygraphentest tatsächlich eingesetzt wird. Er ersetzt keine Rechtsberatung; für die Bewertung Ihres konkreten Falls wenden Sie sich bitte an eine Anwältin oder einen Anwalt.
Die Ausgangslage im Strafverfahren
Der Bundesgerichtshof hat mit Urteil vom 17. Dezember 1998 (1 StR 156/98) entschieden, dass der Polygraphentest ein für die Wahrheitsfindung völlig ungeeignetes Beweismittel im Sinne der Strafprozessordnung ist. Ein entsprechender Beweisantrag darf deshalb abgelehnt werden — und zwar auch dann, wenn der Beschuldigte den Test ausdrücklich selbst verlangt.
Wichtig ist die Abgrenzung: Das Bundesverfassungsgericht hatte zuvor klargestellt, dass ein freiwillig durchgeführter Test die Menschenwürde nicht verletzt. Verboten ist also nicht die Untersuchung, sondern ihre Verwertung als Beweis im Strafprozess. Ohne Einwilligung wäre eine Untersuchung ohnehin unzulässig — § 136a StPO verbietet Eingriffe in die Willensentschließung.
Zivil-, Arbeits- und Familiensachen
Außerhalb des Strafprozesses ist das Bild weniger eindeutig. In Zivil- und Familienverfahren gilt der Grundsatz der freien Beweiswürdigung, und Gerichte entscheiden im Einzelfall, ob und wie sie ein privat eingeholtes Gutachten berücksichtigen. In der Praxis wird ein Polygraphengutachten dort meist als Parteivortrag behandelt: Es ist kein Sachverständigenbeweis, kann aber die Glaubhaftigkeit einer Darstellung stützen.
Im Arbeitsrecht wiederum ist eine Anordnung durch den Arbeitgeber unzulässig. Ein Test darf nur auf ausdrücklichen, freiwilligen und schriftlich dokumentierten Wunsch der betroffenen Person stattfinden — und eine Weigerung darf keine Nachteile nach sich ziehen.
Wofür ein Test dann eingesetzt wird
Die praktische Bedeutung liegt vor der Gerichtstür, nicht dahinter. Typische Konstellationen aus unserer Arbeit:
Entlastung im Vorfeld. Ein zu Unrecht Beschuldigter will gegenüber Familie, Arbeitgeber oder Geschäftspartner belegen, dass er zu einer Überprüfung bereit ist. Das Gutachten wirkt dort, wo Vertrauen zerstört wurde.
Einschätzung der Prozesschancen. Anwältinnen und Anwälte lassen eine Sachverhaltsdarstellung überprüfen, bevor sie eine Strategie festlegen. Was intern nicht standhält, hält auch im Termin nicht stand. Für diese Fälle gibt es bei uns eine eigene Leistung: Ermittlungen für Rechtsanwälte.
Vergleichsverhandlungen. Wenn Aussage gegen Aussage steht, verändert ein Testergebnis die Verhandlungsposition — nicht rechtlich, aber faktisch.
Innerbetriebliche Aufklärung. Unternehmen klären Diebstahls- oder Untreuefälle lieber intern, als eine Anzeige zu erstatten, deren Ausgang offen ist.
Was ein belastbares Gutachten ausmacht
Wenn das Ergebnis Dritte überzeugen soll, muss die Untersuchung nachvollziehbar dokumentiert sein. Dazu gehören: die schriftliche Einwilligung, das vollständige Frageprotokoll, die Angabe der verwendeten Methodik und des Auswertungsverfahrens, die Aufzeichnungen selbst sowie die Qualifikation des Prüfers. Ein Gutachten ohne diese Bestandteile ist ein Blatt Papier. Wie eine Untersuchung im Detail abläuft, beschreiben wir im Beitrag zum Ablauf eines Lügendetektortests; die Leistung selbst finden Sie unter Lügendetektor Hamburg.
Grenzen, die man kennen sollte
Ein Polygraphentest prüft die Übereinstimmung von Aussage und Erinnerung — nicht die objektive Wahrheit. Wer aufrichtig etwas Falsches glaubt, reagiert wie ein wahrheitsgemäß Antwortender. Ebenso gilt: Ein unklares Ergebnis ist ein mögliches Ergebnis, kein Betriebsfehler. Seriöse Anbieter versprechen keine hundertprozentige Sicherheit und keine Aussagen zu Themen, die im Vorgespräch nicht festgelegt wurden.
Häufige Fragen
Kann ein Gericht mich zu einem Test verpflichten? Nein. Eine Untersuchung gegen den Willen der betroffenen Person ist in Deutschland ausgeschlossen.
Schadet es mir, wenn ich einen Test ablehne? Rechtlich darf aus einer Weigerung kein Nachteil abgeleitet werden.
Darf ich das Gutachten selbst einreichen? Einreichen dürfen Sie es; ob und wie das Gericht es würdigt, entscheidet es selbst. Sprechen Sie das vorher mit Ihrer anwaltlichen Vertretung ab.
Wie schnell bekomme ich einen Termin? In der Regel innerhalb weniger Tage, in eiligen Fällen auch kurzfristig. Eine Preisindikation erhalten Sie in einer Minute über unseren Online-Rechner.
